Viele Paderborner rieben sich verwundert die Augen, als am Samstagnachmittag mehrere Dutzend Menschen mit Trommeln, Bannern, Transparenten und Plakaten durch die Innenstadt zu einer Kundgebung vor dem Rathaus zogen. In die Spitze des Demonstrationszuges hatte sich auch der erste stellvertretende Bürgermeister der Stadt, Dietrich Honervogt, eingereiht.
Veranstalter der Aktion war der Diözesanverband der Katholischen Arbeitnehmerbewegung im Erzbistum Paderborn (KAB), der damit auf zunehmende Missstände in der Welt aufmerksam machen wollte, wie Finanz- und Wirtschaftskrisen, Armut und Klimawandel. Zu ihrer Bewältigung plädiert die KAB für neue Lebensstile und -formen, in denen der Mensch im Mittelpunkt stehen müsse.
Zuvor hatte die KAB ihre Mitglieder und Freunde ins Hotel Aspethera eingeladen, um ihnen den Leitantrag des Bundesverbandes vorzustellen, der erst kürzlich verabschiedet wurde. Unter dem Motto "Fair teilen statt sozial spalten - Nachhaltig leben und arbeiten" beschäftigt er sich mit der Frage, wie man den weltweiten Herausforderungen begegnen könne, die das zunehmende Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich sowie Hunger, Armut und Naturkatastrophen als Folgen des Klimawandels mit sich bringen.
Nach Ansicht der KAB sollte europaweit ein Mindestlohn eingeführt werden, der den Beschäftigten ein Leben ermöglicht, in dem sie nicht auf ergänzende staatliche Hilfen angewiesen seien. Außerdem müssten den Finanzmärkten Grenzen gesetzt werden, damit nicht ständig Banken und Staaten mit Milliarden von Geldern vor dem Ruin gerettet werden, die anderswo dringender benötigt würden. Zudem plädiert die KAB dafür, dass die Ausweitung der sozialen Sicherungsnetze wie Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung über Beiträge aus allen positiven Einkünften finanziert werden sollten, wie z. B. Miet- und Zinserträge oder Börsengewinne. Wer mehr habe, müsse auch mehr geben, lautet ihr Credo.

In Sachen "Folgen des Klimawandels" sind die Katholischen Arbeitnehmer der Auffassung, "dass die Industriestaaten mehr Verantwortung übernehmen müssen für einen Missstand, den sie mit ihrem oft maßlosen Wirtschaften selbst ausgelöst haben".
Vorgeschlagen wird eine Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe, die den Ausstoß von Kohlendioxid als einen Hauptverursacher der weltweiten Erwärmung vermindern soll. Statt Lebensmittel aus Übersee einzuführen, sollten einheimische Erzeugnisse vermehrt beworben werden, auch wenn dies im Einzelfall teurer sei und sie nur saisonal angeboten werden könnten.
Zu Beginn des Tages hatte Pfarrer Reinhard Lenz, Präses der KAB, in seiner Predigt in einer Messe in der Busdorfkirche kritisiert, dass die Menschen hierzulande fast nur noch dazu angehalten würden, entweder Geld zu verdienen oder es auszugeben. Zeit für Geselligkeit und die Pflege von Familiensinn und Freundschaften gebe es kaum noch. Aber gerade an diese Werte müsse man die Gesellschaft wieder erinnern.
Text: Benedikt van Acken / Foto: Wilhelm Schmücker