KAB Deutschlands e.V.
KAB Deutschlands e.V. Service|Kontakt|Impressum

„Die Situation der Christen im Nahen Osten gleicht einem Kreuzweg“

Maronitenpater Gaby Geagea referierte in Dortmund

Christen im Nahen Osten erleben sich nicht als Widerstandskämpfer sondern als Menschen, die sich auf einen Kreuzweg befinden. Dies stellte Pater Gaby Geagea, der Leiter der Maroniten Mission Deutschlands und Prior des Klosters Haus Maria in Warburg, bei einem Vortrag in Dortmund fest. Auf Einladung des Bezirksverbandes der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Dortmund/Lünen/Schwerte berichtete Pater Geagea als Zeitzeuge und gebürtiger Libanese über die Situation der Christen im Nahen Osten im Rahmen der Reihe „Christen und Widerstand“.  

Eingangs seiner Ausführungen stellte er die Glaubensgemeinschaft der Maroniten vor. Bei ihnen handelt es sich um die Mitglieder der Maronitisch-Syrischen Kirche von Antiochien, die zwar außerhalb des regionalen Einflusses der römisch-katholischen Kirche existieren, jedoch seit Mitte des 15. Jahrhunderts eine Sakramentsgemeinschaft mit der römisch-katholischen Kirche eingegangen sind und den Papst als Oberhaupt anerkennen. Pater Gaby Geagea betonte, dass der angestammte Lebensraum der Maroniten nicht die westlichen Länder sondern der Libanon sei.  Aber wo auch immer maronitischen Christen außerhalb des Libanon lebten, seien sie lebendige Mitglieder der örtlichen katholischen Kirche. Die maronitische Mission in Deutschland arbeitet beispielsweise eng und vertrauensvoll mit dem Bistum Limburg zusammen. Einige Priester der Mission sind dort in die örtliche Seelsorge  eingebunden und betreuen gleichzeitig ihre maronitischen Glaubensbrüder und -schwestern. So schlagen sie eine Brücke zwischen den verschiedenen katholischen Riten und unterschiedlichen Kulturen. Maronitische Gemeinden gibt es noch in Berlin, Düsseldorf, Syke, Hamburg, Hannover und bald in München. Sie alle werden von den maronitischen Missionaren (Kreimisten) seelsorglich betreut.                                         

Mit Blick in die Geschichte verwies der Leiter der maronitischen Mission nachdrücklich darauf, dass die Christen seit jeher im Nahen Osten ansässig waren, aber immer wieder die Opfer der dortigen herrschenden Konflikte seien, sich also quasi auf einem Kreuzweg befänden. Ihre schwierige Lebenssituation zeige sich im Alltag und führe vermehrt dazu, dass in heutiger Zeit immer mehr Christen den Nahen Osten verließen, um ihren Kinder eine bessere Lebenssituation zu ermöglichen. Der Rückgang der Anzahl der Christen wertete Pater Gaby Geagea als großen Verlust für die Region. Die Auswanderung werde sowohl die politischen Verhältnisse als die geltenden Wertesysteme auf Dauer verändern. Derzeit sei sowohl ein gewisser Rückschritt  im kulturellen, sozialen und politischen Bereich festzustellen als auch die Zunahme innerreligiöser Konflikte unter den islamischen Gruppen. Als wichtige Eckpfeiler für eine friedliche und menschenwürdige Gestaltung der Politik im Nahen Osten nannte er die Beachtung von Glaubens- und Meinungsfreiheit sowie von Frauen- und Kinderrechten. In diesem Zusammenhang betonte der Leiter der Maroniten Mission Deutschlands, dass es wichtig sei, dass Christen in dieser Region weiterhin zahlreich leben, um ihre glaubensbezogene Lebensdeutung und –gestaltung in die Politik und Gesellschaft einfließen zu lassen.

Im Blick auf die Zuwanderer aus dem Nahen Osten stellte Pater Gaby Geagea heraus, dass die aufnehmende Gesellschaft ein Recht darauf habe, dass die Zuwanderer sich in die bestehenden Strukturen und Lebensweisen integrierten. Die Christen aus dem Nahen Osten praktizierten dies - nach Meinung von Pater Geagea - vorbildlich.        

Als überzeugter Maronit und Christ warb er glaubwürdig dafür, die maronitische Lösung im Umgang mit Konflikten im Nahen Osten zu praktizieren. Dies bedeute nach seiner Auffassung, einen Raum der Freiheit für den christlichen Glauben wie auch für alle religiösen Gruppierungen und den damit zusammenhängenden Wertesystemen zu gewähren, sich westlich zu orientieren und dabei gleichzeitig seine Herkunftsidentität zu bewahren.                                                                                       

Die Veranstaltungsreihe „Christen und Widerstand“ der KAB findet jährlich zum Gedenken an die Widerstandskämpfer im Nationalsozialismus und speziell zum Gedenken an den seligen Nikolaus Groß in Dortmund statt. Übereinstimmend ist sicherlich festzustellen, dass das Eintreten für den christlichen Glauben und seine Werte sowohl Mut erfordert als auch befähigt, gesellschaftliche Entwicklungen und politische Strukturen aus einem anderen und bedenkenswerten Blickwinkel zu  betrachten. Es gilt, die christliche Perspektive immer wieder in die Gesellschaft und Politik einzubringen.